
Weltjugendtag 2011: Survival Camp oder spirituelle Erleuchtung?
Am 10.August war es endlich soweit: Vamos – Wir fuhren als Schülerinnengruppe der LFS mit acht Schülerinnen, Frau Kienker und Herrn Pfarrer Schultheis nach Spanien zu den Tagen der religiösen Begegnung und zum Weltjugendtag 2011. Außer uns waren noch 12 weitere Schülerinnen der LFS mit Gruppen ihrer Pfarrgemeinden beim WJT.
Nach einer 18-stündigen Busfahrt erreichten wir nachmittags Barcelona. Alle WJT-Pilger verbringen vor den eigentlichen Weltjugendtagen jeweils Tage der Begegnung in einer Diözese des Landes, in dem der WJT stattfindet. In diesem Jahr verschlug es die Kölner Pilgergruppe – insgesamt 1600 Jugendliche – nach Barcelona! Untergebracht waren wir – zusammen mit Jugendlichen aus Polen, Italien und Frankreich – in einer Schule. In dieser Zeit gab es nur wenige Pflichttermine, sodass wir viel Zeit hatten, die Stadt zu erkunden und das Meer zu genießen. Auch gemeinsames Sightseeing stand auf dem Programm: Wir haben z.B. die Kathedrale von Barcelona gesehen, in der wir eine schöne Vigil mit unserem Erzbischof Kardinal Meisner feierten, die Sagrada de familia, in der alle Jugendlichen, die an den Tagen der religiösen Begegnung teilnahmen, zusammen Eucharistie feierten, und natürlich den Stadtstrand von Barcelona. Die Zeit in Barcelona war insgesamt sehr entspannt und hat uns allen am besten gefallen.
Der Stress und das Chaos nahmen erst in Madrid ihren Lauf. Nach den Tagen der Begegnung in Barcelona fuhren wir Montagmorgen nach Madrid, dem eigentlichen Ort des Geschehens. Kurz bevor wir das Ziel erreicht hatten, erhielten wir die Nachricht, dass wir doch wieder in Mehrfachturnhallen übernachten würden. Das hochsommerliche Wetter samt hoher Temperaturen forderte seinen Tribut und machte nicht nur Jugendlichen, sondern auch Begleitern richtig zu schaffen, sodass nicht wenige Teilnehmer mit Kreislaufproblemen zu kämpfen hatten. Vor allem in den ersten zwei Tagen war dies an der Tagesordnung. In Barcelona waren die Temperaturen noch ziemlich erträglich gewesen (um die 34 Grad), doch in Madrid ging das Thermometer oft über 42 Grad, sodass die uns begleitenden Malteser stets im Einsatz waren.
Allgemein haben wir in Madrid nur die wichtigsten Sehenswürdigkeiten besucht. Dies lag einerseits daran, dass die gesamte Stadt derart voller Pilger war, dass ein Vorwärtskommen nur eingeschränkt möglich war. Andererseits standen die Tage in Madrid ganz im Zeichen des WJTs und seiner Programmpunkte. An drei Tagen besuchten wir morgens die Katechesen mit anschließender Messe, die von je einem deutschen Bischof gehalten wurden, und verbrachten anschließend unsere Nachmittage meist im schönen Retiro-Park und hielten Siesta, um uns vor den Menschenmassen zu verstecken und unseren chronischen Schlafmangel auszugleichen. Nachmittags und abends gab es jeden Tag andere Programmangebote wie z.B. einen Flashmob aller deutschen Teilnehmer oder Musikfestivals.
In Madrid befanden sich so viele Pilger, dass die Spanier die Menschenmassen nicht wirklich unter Kontrolle hatten. Dies zeigte sich vor allem bei Fahrten mit der Metro. Aber wir wären keine echten Pilgerinnen gewesen, wenn wir diese Situation nicht mit WJT-Gesängen oder gelegentlichen Tanzeinlagen mit anderen Pilgern gemeistert hätten; auch so mancher „Benedetto“-Ruf ließ unsere Laune wieder steigen, wenn sie zu sinken drohte …
Wir fieberten der großen Vigil und der Abschlussmesse mit dem Papst auf dem alten Flughafengelände „Cuatros Vientos“ entgegen. Das Gelände war zwar riesig, aber es war komplett überfüllt, und es war dort einfach nur chaotisch. Wir waren alle sprachlos, als wir nach einem langen Pilgermarsch bei hohen Temperaturen gegen fünf Uhr nachmittags das zugeteilte Feld erreichten und uns gesagt wurde, dass für uns kein Platz mehr sei. Wohin wir denn ausweichen könnten, konnte uns auch niemand sagen. Da nahmen wir es spontan ganz spanisch und improvisierten. Gemäß dem Motto: „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Platz!“ verdrängten wir kurzerhand ein paar Italiener, die sich auf dem Feld breit gemacht hatten, und ließen uns auf unseren Isomatten erschöpft, aber glücklich nieder. Abends, als el papa kam, dachte der liebe Gott wohl, dass er uns was Gutes tun würde, wenn er uns zu einer Abkühlung verhelfen würde. Leider übertrieb er es ein wenig und schickte ein derartiges Gewitter, dass nicht nur die Vigil unterbrochen werden musste, sondern wir auch Sorge hatten, das Gewitter wohlbehalten zu überstehen. Als das Unwetter nachließ und die Vigil fortgeführt werden konnte, versuchten wir uns auf die halbwegs trocken gebliebenen Isomatten zu verteilen und sind ziemlich schnell eingeschlafen. In der Nacht kam es zu einem weiteren stürmischen Schauer, den aber die meisten verschlafen haben.
Am nächsten Morgen mussten wir erfahren, dass das Gewitter einige Zelte zerstört hatte, in denen die vorkonsekrierten Hostien für die Eucharistiefeier gelagert wurden; daher gab es beim Abschlussgottesdienst leider keine Eucharistie. Die sich anschließende 24-stündige Busfahrt überlebten wir mit sehr viel Schlaf, und alle waren froh und glücklich, als sie montagabends wieder in Bonn ankamen.
Unser Bericht hört sich hier und da gewiss ein wenig dramatisch an, das war es stellenweise auch; nichtsdestotrotz blicken wir sehr positiv und dankbar auf die Zeit in Barcelona und Madrid zurück. Wir haben viel über uns gelernt und sind alle sehr zusammengewachsen. Auch war es schön, Kirche in ihrer Jugendlichkeit und Vielfalt zu erleben. Gespannt und mit Freude blicken wir dem nächsten Weltjugendtag entgegen und sind auf jeden Fall dabei, wenn er uns 2013 nach Rio de Janeiro führt. Vielleicht sehen wir uns dort ja wieder!
Franziska Fewson, Charlotte Fischer und Jasmin Nasilowski, Jahrgangsstufe 11





