„Steht mutig für Demokratie ein“: Gesprächsrunde mit DDR-Zeitzeugin

Redaktion Aktuell

Ein nahezu unvorstellbares Szenario für die Schülerinnen der Liebfrauenschule: Die Eltern, auf dem Weg zu einer Tanzveranstaltung, werden ohne Grund und ohne Prozess von der Straße weg festgenommen und inhaftiert. Die dreijährige Tochter kommt ins Kinderheim und wird regelmäßig hart dafür bestraft, dass ihre Eltern „Feinde des Friedens“ seien.

Mit dieser Begebenheit aus ihrer Kindheit bot die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin, Theaterregisseurin und Filmemacherin Freya Klier am 14.6.2018 einen drastischen Auftakt zu einer Gesprächsrunde an der Liebfrauenschule, in welcher sie den Q1-Schülerinnen den Alltag in der DDR vor Augen führen wollte. Klier, 1950 in Dresden geboren, kam im Rahmen einer vom Politischen Bildungsforum der Konrad-Adenauer-Stiftung initiierten Projektwoche mit zahlreichen Jugendlichen an Bonner Schulen ins Gespräch.

Ihr besonderes Anliegen sei es, so Klier, die Erinnerung an die sozialistische Umgestaltung der DDR wachzuhalten und den Schülern vor Augen zu führen, in welcher Form sich das Unrechtssystem DDR auf die persönliche Freiheit einer jeden Bürgerin und eines jeden Bürgers auswirkte.

So berichtete Klier vom harten Vorgehen gegen Dissidenten und der Erosion des gesellschaftlichen Zusammenhalts durch den Aufbau des Stasi-Spitzelsystems. Schwer fassbar war für die Liebfrauenschülerinnen vor allem die systematische Gehirnwäsche im DDR-Schulsystem, welcher ganze Generationen von Schülern unterworfen wurden: Begriffe wie „Freiheit“ und „Individuum“ wurden aus dem offiziellen Diskurs nahezu getilgt und durch das Ideal des „Kollektivs“ ersetzt; westliche Musik, Jugendkultur und Mode wurden diffamiert. „Alles Böse wohnt im Westen, brachte man uns in der Schule bei“, so Klier.

Gegen Ende der Gesprächsrunde wollte eine Schülerin von Klier wissen, wie sie auf Basis ihrer persönlichen Erfahrungen zusammenfassend die Grundidee des Kommunismus bewerte. „In Anbetracht von Millionen Ermordeten erübrigt sich diese Frage“, entgegnete Klier und schloss mit dem Appell an die Liebfrauenschülerinnen, jederzeit mutig für Demokratie und Freiheit einzustehen.