Sie sind hier: Schulleben / LFS Unterwegs / Austausch / Chile
Donnerstag, 27. Oktober 2011

Austausch mit dem Colegio Santa Ursula in Maipú, Chile

Was als e-mail-Projekt begann, ist zu einem Schüleraustausch im Kleinformat geworden: Seit einigen Jahren empfängt die Liebfrauenschule Schülerinnen des Colegio Santa Ursula, einer katholischen Mädchenschule in Maipú, Chile, in ihren 10. Klassen, und im Austausch fliegt eine kleine Gruppe von Schülerinnen der Jgst. 11 nach Chile, um dort ihr Praktikum in sozialer Verantwortung zu machen.
Die Chileninnen verbringen ihre Sommerferien, also die Monate Januar und Februar, in Deutschland. Sie sind ca. 17 Jahre alt und besuchen die 11. Klasse des Colegio Santa Ursula in Maipú, einem Vorort der Hauptstadt Santiago. Sie wird von deutschen Schwestern geleitet und legt einen deutlichen Schwerpunkt auf den Erwerb der deut¬schen Sprache.
In Bonn leben die Mädchen in Gastfamilien und nehmen am Unterricht der 10. Klassen teil. Für unsere Schülerinnen bedeutet das Zusammenleben mit den spanischsprachigen „Gastschwestern“ neben einer Verbesserung der Spanischkenntnisse den unmittelbaren Kontakt zu einem ganz neuen, hochinteressanten und vielleicht gar nicht so „exotischen“ Kulturkreis.

Brief der ersten Austauschgruppe an ihre Gastschülerinnen

Liebe Schülerinnen aus Bonn!

Wir sind 6 chilenische Mädchen, die sich im Moment auf eine Deutschlandreise als Austauschschüler vorbereiten, Josefa, Pamela, Christel, Fernanda, Pilar und Soledad. Wir gehen in eine Deutsche Katholische Mädchenschule, die Sankt Ursula heißt und zwar in die 11. Klasse.
In unserer Schule lernen wir ab dem Kindergarten deutsch und bereiten uns auf verschiedene Prüfungen vor. In der 8. Klasse müssen wir das Vordiplom ablegen und dabei eine ganze Menge über die deutsche Geografie, deutsche Städte, Flüsse, Landschaften und Bundesländer lernen. In der 10. Klasse legen wir das Sprachdiplom der Kultusministerkonferenz ab, das wir auch bestanden haben und dabei lernen wir sehr viel über eure Kultur, euer Leben und auch über Interessen deutscher Jugendlicher.
In diesem Jahr haben wir die Möglichkeit nun alles was wir gelernt haben auch zu sehen und zu erweitern, und sind natürlich sehr nervös wegen dieser langen Reise.
„Wird unser Deutsch ausreichen? Werden wir alles verstehen? Wie wird man uns aufnehmen?“, sind einige unserer Fragen.
Für uns ist dieser Aufenthalt sehr wichtig, einmal um andere Kulturen kennen zu lernen und auch um unsere Deutschkenntnisse zu verbessern.
Im nächsten Jahr kommt dann wieder ein Sprachdiplom auf uns zu, und dieses ist so wie euer Abitur. Damit können wir, wenn wir es bestehen, auch an einer deutschen Universität studieren. Aber es ist sehr schwer.
Unsere Schule ist eine Privatschule, die von deutschen Nonnen geleitet wird. Wir haben hier den ganzen Tag Unterricht und dann auch noch sehr viele Hausaufgaben. Auch benutzen wir eine Schuluniform, die uns aber nicht so sehr gefällt. Das Wichtigste an unserer Schule ist, dass sie sehr viel Pflanzen und Bäume hat , die von den Nonnen gepflanzt wurden, als sie aus Deutschland kamen und sie so zu einem ganz speziellen Platz macht. Wichtig ist auch, dass wir uns an unserer Schule ganz toll mit unseren Lehrern verstehen. Wir würden uns über einen Kontakt mit euch sehr freuen.
Über Chile können wir sagen, dass es ein tolles Land ist. Hier kann man alles finden. Berge, Meer, Wüste, Urwälder und ewiges Eis. Wir sind nicht sehr reich, haben aber viele Fische, die wir exportieren, bauen Kupfer ab und produzieren sehr viel Obst und Gemüse, vor allem auch Wein, der einer der besten der Welt ist. Vielleicht habt ihr ja auch mal Lust unser schönes Land kennen zu lernen, wir laden euch auf jeden Fall herzlich ein.
Liebe Grüße aus Chile von den 6 Austauschschülerinnen

Sozialpraktikum im Kinderheim „Villa Santa María del Bosque“ in Maipú, Chile

Seit einigen Jahren empfängt unsere Schule jeweils für die Monate Januar und Februar Gastschülerinnen aus der deutschen Ursulinenschule Colegio Santa Ursula in Maipú, Chile. Im Jahr 2008 konnte zum zweiten Mal eine Gruppe von Schülerinnen der Jgst. 11 der Liebfrauenschule diesen Besuch erwidern. Die sechs Mädchen verbrachten sechs Wochen in Gastfamilien und absolvierten ihr Praktikum in sozialer Verantwortung in einem Kinderheim der Hilfsorganisation „María Ayuda“.
Das Kinderheim „Santa María de El Bosque“ in Maipú, einem Vorort von Santiago de Chile, ist eine Institution, in der Mädchen im Alter von 3-18 Jahren, die in ihren Familien vernachlässigt wurden oder körperlicher oder sexueller Gewalt ausgesetzt waren, vorübergehend oder dauerhaft ein Zuhause finden. Die Mädchen leben in verschiedenen Häusern in familienähnlichen Gruppen mit je einer Erzieherin zusammen und werden von dem pädagogischen und psychologischen Personal der Einrichtung intensiv betreut.
Die sechs Praktikantinnen arbeiteten für vier Wochen im Kinderdorf mit. Da das Praktikum in die Zeit der Sommerferien fiel, mussten die Kinder ganztags betreut und beschäftigt werden. Die Schülerinnen halfen bei den anfallenden Arbeiten mit und waren dafür zuständig, die Kinder den Tag über zu betreuen und verschiedene Aktivitäten (Sport, Spiel, Bastelarbeiten etc.) zu organisieren. Dabei entstanden trotz der sprachlichen Barriere (einige der Schülerinnen hatten erst seit 5 Monaten Spanischunterricht) intensive und z.T. sehr liebevolle Beziehungen.

Sie alle haben das Praktikum als eine spannende und prägende, aufgrund der materiellen und psychischen Situation der betreuten Kinder aber auch nicht immer einfache Erfahrung erlebt. Der Aufenthalt in den Gastfamilien und eine Reise in den Süden des Landes ermöglichte ihnen einen Einblick in die chilenische Kultur und Mentalität, den sie als bereichernd und prägend empfanden.