„Scherben bringen Glück“?!

Dritter „Tag der Versöhnung“
Zum dritten Mal gab es an der LFS einen „Tag der Versöhnung“. Dieser fand am Mittwoch, dem 20. Februar statt und begann mit einem Ökumenischen Gottesdienst in der Elisabethkirche.
„Scherben bringen Glück“, sagt ein Sprichwort, und in der Hoffnung, dass der „Tag der Versöhnung“ dem persönlichen Glück ein wenig auf die Sprünge helfen würde, standen Scher-ben im Mittelpunkt des Gottesdienstes. Im Leben geht so manches ungewollt in die Brüche: Beziehungen zerbrechen, Freundschaften gehen auseinander, Lebensentwürfe platzen. Nicht selten sehen wir uns vor einem Scherbenhaufen, in uns den wir selbst verursacht haben oder dem wir – ohne verantwortlich zu sein – hilflos ausgesetzt sind. Oft werden wir mit einer alten Schuld nicht fertig, die wie Scherben an unserer Seele kratzt, oder wir sind einfach überfordert mit dem, was das Leben uns abverlangt. Angeregt durch das Lied: „Kaputt“ von „Wir sind Helden“ hatten die Schülerinnen die Möglichkeiten, über ihre persönlichen „Scherben“ nachzudenken und diese auf Tonscherben zu schreiben, um sie anschließend vor dem Altar niederzulegen und damit das Belastende, Schmerzende und sich selbst der barmherzigen Liebe Gottes anzuvertrauen.

Im Anschluss an den Gottesdienst bestand die Möglichkeit, ein Gespräch mit einer Seelsorgerin/einem Seelsorger zu führen und/oder das Sakrament der Versöhnung (Beichte) zu empfangen. Es kann gut sein, sich auszutauschen über das, was einen bewegt, Angst macht und Sorgen bereitet. Dies im Angesicht Gottes mit einer Seelsorgerin/einem Seelsorger zu tun, Gott um Kraft und Beistand und ggf. um Verzeihung persönlicher Schuld zu bitten, ist Kerngedanke des „Tages der Versöhnung“: ein freiwilliges Angebot, einen ganzen Vormittag lang.
Über 100 Schülerinnen nahmen dieses Angebot wahr und trauten sich, bei einem der sieben verschiedenen Ansprechpartner über die Scherben ihres Lebens ins Gespräch zu kommen. In vielen Gesprächen durften die Seelsorger erleben, wie sich etwas begann zu lösen: eine tief empfundene Schuld, belastende Ängste, angestaute Wut, bedrängende Sorgen, lähmende Trauer. Auch wenn nicht alles gekittet werden konnte und kann, was im Leben zerbricht – selbst Gott vermag das nicht – hatte man den Eindruck, dass die Schülerinnen ein wenig erleichtert und mit einem strahlenden Lächeln die Kirche wieder verlassen haben. Vielleicht bringen Scherben – vor Gott gebracht – ja doch auch irgendwann Glück! Die Hoffnung, dass dies so sein könnte, ist Grund genug, den „Tag der Versöhnung“ auch im nächsten Jahr wieder stattfinden zu lassen. Herzlichen Dank an dieser Stelle der Schulleitung, dem Kollegium, den Seelsorgern sowie den Schülerinnen dafür, dass so etwas an der LFS überhaupt möglich ist.
Dominik Schultheis, Schulpfarrer