Donnerstag, 27. Oktober 2011

Werkstatt

Die Erzbischöfliche Liebfrauenschule beteiligte sich am WERKSTATT-TAG – einem Projekt der Dr. Reinold Hagen Stiftung für Schülerinnen und Schüler des neunten Schulbesuchsjahres zur Verbesserung der Berufswahlorientierung

Technik in der Praxis studiert

Schüler aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis lernen mit der Hagen-Stiftung den Ingenieurberuf kennen

General Anzeiger vonn vom 14.01.2009.

HENNEF. Auf einem Bagger haben sie gesessen und Hebelgesetz und Hydraulik hautnah erlebt. Schaltungen haben sie entwickelt, Getriebe auseinandergebaut und natürlich mathematische Probleme gelöst: Jeweils 25 Schulstunden lang beschäftigten sich insgesamt 200 Schüler aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis beim Ingenieurprojekt „Mehr Fachkräfte für die deutsche Wirtschaft“ mit Wissen, das Zukunft hat. Das Projekt hat die Reinhold-Hagen-Stiftung initiiert und durchgeführt, unterstützt von der Bundesagentur für Arbeit.

Heute Abend präsentieren die Schüler, was sie im Laufe des Projekts gelernt und erfahren haben. Erfreulich: Fast die Hälfte der Schüler, die sich in ihrer Freizeit mit Mathe und Physik, Hydraulik und Pneumatik beschäftigten, sind weiblich. „Wir müssen alles tun, um beim akademischen Nachwuchs die Begeisterung für den Beruf des Ingenieurs zu wecken“, erklärte Projektleiter Friedrich Arera. „Für das Jahr 2015 erwarten wir ein erstes großes Ressourcenloch in der deutschen Ingenieurslandschaft, wenn nämlich die geburtenstarke Nachkriegsgeneration in die Rente geht.“ Mit ein Grund dafür, warum sich die Stiftung gemeinsam mit der Arge seit 14 Monaten darum bemüht, neugierigen Schülern zu zeigen, „dass man nach dem Abitur auch etwas anderes werden kann als Lehrer, Arzt oder Rechtsanwalt“, so Birgitt Beemers, Schulleiterin des Hennefer Gymnasiums.

Thomas Reiter, Ingenieur an der Hagen-Stiftung, war verantwortlich für die Durchführung des Projekts: „Die Schüler konnten nach einer Informationsveranstaltung bis zu drei aus acht verschiedenen Modulen wählen, die ein breites Spektrum der Ingenieurswissenschaften abdecken“, so Reiter. Gemeinsam mit weiteren Dozenten des in Bonn ansässigen Weiterbildungszentrums beschäftigten sich die Interessierten dann mit Fragen wie „Was ist ein Getriebe?“ „Wie beschicke ich ein Regallager“? „Wie wir bislang recherchiert haben, ist es uns gelungen, bei zwei Dritteln der Teilnehmer das Interesse am Ingenieurberuf zu wecken“, freute sich Reiter. Arera ergänzt, dass man auch gerne wissen würde, was in ein paar Jahren aus jenen Schülern geworden ist, die die Nase schon vor der Aufnahme eines  Studiums in die Praxis stecken durften. Arera: „Von unserer Seite aus wollen wir ein ähnliches Projekt auf jeden Fall wieder anbieten. Wir brauchen nur noch einen Partner, der sich die Kosten  mit uns teilt.“

Beteiligte Schulen:

An dem Projekt beteiligten sich aus dem Rhein-Sieg-Kreis folgende Schulen: Das Städtische Gymnasium Hennef, die Gesamtschule Hennef, die Kopernikus Realschule Hennef, das Gymnasium am Ölberg und die Realschule Oberpleis. Aus Bonn sind dabei: Gesamtschule Beuel, Ernst-Moritz-Amdt-Gymnasium, Liebfrauenschule sowie Sankt Adelheid-Gymnasium. Unterstützt wurde die Initiative auch durch den Verein Deutscher Ingenieure.

Auszeichnung für den „Werkstatt-Tag"

Berufswahl-Projekt der Dr. Reinold Hagen Stiftung hat den Industrie-Preis bekommen

General Anzeiger Bonn vom 20. März 2009

Von Frank Auffenberg

BECHLINGHOVEN. Wie junge Menschen für technische Berufe begeistert werden können, zeigte die Dr. Reinold Hagen Stiftung mit ihrem im Schuljahr 2005/2006 erstmals ausgerichteten Projekt „Werkstatt-Tag". Dreimal wurde das Berufswahl-Programm wegen seines durchschlagenden Erfolges wiederholt, nun erhielt die Hagen-Stiftung den renommierten Best Practice Award der deutschen Industrie-Initiative „Sachen machen".

180 Schüler nahmen bisher am Werkstatt-Tag teil. Während eines ganzen Schuljahres wurden sie an einem festen Wochentag in je acht Unterrichtseinheiten in den Werkstätten der Hagen Stiftung praktisch unterrichtet. „Statt Mathe, Chemie oder Deutsch lernten sie den Umgang mit Elektrotechnik, Metallarbeiten und Kunststoffverarbeitung", erklärt Martin Rosorius, Leiter Verwaltung und Kommunikation der Hagen Stiftung.

Mit Skepsis nahmen Eltern und Lehrer die Initiative anfangs auf, schließlich forderte der Werkstatt-Tag von den Schülern ein hohes Maß an Disziplin. Der verpasste Unterrichtsstoff musste in Eigenregie nachgearbeitet werden. Zur Überraschung aller schlug sich der 

Fehltag jedoch nicht negativ, sondern positiv auf den Notenspiegel der Teilnehmer aus.

„Alle Schüler waren am Ende des Projektes durchschnittlich um 20 Prozent besser. Wohlgemerkt in allen Fächern", sagt Rosorius. Bei vielen sei wohl durch die regelmäßige Arbeit mit den festen Auszubildenden der Hagen Stiftung der Groschen gefallen: „Einerseits sahen sie erstmals, was im Arbeitsleben wirklich von ihnen an Wissen verlangt wird, andererseits wurde ihnen klar, dass sie sich noch anstrengen müssen, um den Anforderungen gerecht zu werden."

Mit wie viel Ernst die Teilnehmer plötzlich an ihre schulische Ausbildung gingen, zeigt auch die Zahl der Fehlstunden. „An allen Schulen sank sie enorm", sagt Rosorius. Ebenso positiv fiel der Anstieg der Sozialkompetenz de Schüler auf. Neben all diesen Aspekten wirkte sich der Werkstatt-Tag auch auf das Interesse der Teilnehmer an technischer Berufen aus. „Wir wünschten uns natürlich, auf unseren Berufsbereich neugierig zu machen, auch das ist gelungen", so Rosorius.

Mehrere Teilnehmer strebten nach dem Projekt einen technischen Beruf an. „Besonders freut uns, dass auch viele Mädchen plötzlich ihre Freude an Technik entdeckten. Sie trauten sich nachher viel mehr zu", sagt er. Der Grund für den Erfolg des Werkstatt-Tages sei einfach: „Man kann den Schülern in der Theorie viel erklären, aber nichts nahe bringen. Fußballbegeisterung kommt auch nicht durch die Erklärung von Abseitsregeln, erst die praktische Erfahrung zeigt, ob man sich für etwas begeistern kann oder nicht", sagt Rosorius.

Mit dem Ende des Schuljahres 2007/2008 fand der Werkstatt-Tag vorerst ein letztes Mal statt. Auf ihren Lorbeeren ruht sich die Hagen-Stiftung aber nicht aus. „Wir wollen weiter zeigen, dass Projekte wie dieses zum Erfolg führen", sagt er. In der Folgeinitiative „Haus der Berufsvorbereitung" werden nun gezielt Haupt- und im Besonderen Förderschulen ins Visier genommen.