Der Musikkurs der Q1 beim Beethovenfest
Haben Sie schon einmal mit älteren Verwandten über deren Vergangenheit oder über die Vergangenheit der ganzen Familie geredet und auf einmal wollte Ihnen niemand mehr eine Antwort geben? Und Sätze wie „Sprich das bitte nicht an“ oder „Darüber redet man nicht“ fielen?
Genau das ist Martha Bijlsma passiert, als sie sich in ihrer Familie über den Zweiten Weltkrieg informieren wollte. Damit startete sie das Projekt „Don’t mention the war“. Sie sagt: „Musik setzt dort an, wo Worte an ihre Grenzen stoßen, und ermöglicht es uns, etwas zu vermitteln, was Sprache allein nicht vermag“.
Im Juni 2026 bekamen wir die Einladung des Beethvovenfestes, uns mit dem Q1-Musikkurs in einem Projekt an dem Konzertformat zu beteiligen. Wir nahmen an einem Workshop teil, in dem uns Martha zunächst erzählte, welche Ideen ihrem geplanten Konzert vorausgegangen sind. Im weiteren Verlauf lernten wir unter Anleitung der Fotografinnen Sophia Hegewald und Lucie Schulze, mit welchen Techniken wir ein eigenes Foto künstlerischer aussehen lassen konnten und auch den Umgang mit einer professionellen Kamera. Die dabei entstandenen Fotos wurden mit jedem Mal besser und persönlicher und entsprachen am Ende Teilen unserer eigenen Familiengeschichten. Zu jedem Foto haben wir eine Frage oder einen Gedanken formuliert, der unmittelbar mit dem Bild oder dem darin festgehaltenen Moment verbunden ist. Aus den gesammelten Fotos gestalteten die Fotografinnen über die Sommerferien Postkarten, auf denen die jeweilige Frage/der Gedanke abgedruckt wurde und die dazu anregen, sich mit dem festgehaltenen Motiv/Moment auseinanderzusetzen.
Am Samstag- und Sonntagabend, dem 26.09 und 27.09.2026, war der Musikkurs dann bei Marthas Konzert im Theater im Ballsaal in Endenich, wo die Musikerin uns mit ihrem Cello, begleitet von einer Violine, gespielt von Kana Sugimura und einem Akkordeon, gespielt von Nico Gutu, in eine andere Welt eintauchen ließ. Die Zuschauenden durften Bijlsmas ganzen Familienstammbaum per Video kennenlernen und in mehreren Interviews die je eigene Sicht einzelner Familienmitglieder auf das Thema erfahren.
Besonders beeindruckend war das Interview mit Marthas Großonkel, der nach dem Krieg nach Israel auswanderte und der Schoa-Foundation ein längeres Interview gab. Dort berichtet er von Marthas Großmutter, die 11 Geschwister hatte, von denen nur fünf, sie inklusive, die systematische Verfolgung und Vernichtung der Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus überlebten. Das Thema „generationenübergreifende Traumata“ spielte eine große Rolle in Marthas Konzert, das einen weiten Bogen schlug von ihrer persönlichen Geschichte bis hin zum 7. Oktober 2023 und den Auswirkungen, die die Geschehnisse für Jüdinnen und Juden weltweit hatten und haben. Weitere und genauere Informationen finden sich im digitalen Programmheft des Abends.
Programmheft – Martha Bijlsma: Don’t Mention the War
Im Anschluss an das sehr beeindruckende Konzert konnten die Besucherinnen und Besucher nicht nur Martha, sondern auch uns Fragen stellen und ein bisschen ins Gespräch kommen, während wir die Postkarten austeilten. Einige unserer Fotos waren auch in Vergrößerung im Foyer zu sehen.
Es war eine äußerst lehrreiche und eindrucksvolle Veranstaltung, die einen bleibenden Eindruck auf alle Teilnehmenden hinterlassen hat.
Paula Vleugels, Q1



